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Buntspecht
Art der Picidae

ad. Männchen
1. KJ

Die Zeichnung des Buntspechtes ist an sich relativ einzigartig. Der auch im deutschsprachigen Raum vorkommende - aber seltenere - Mittelspecht unterscheidet sich vorallem durch einen größeren Weißanteil auf den inneren Armschwingen und eine andere Anordnung der Flecken (siehe dazu die Artseite des Mittelspechts für einen detailierteren Artenvergleich). Neben D. medius und dem deutlich kleineren Kleinspecht (D. minor) brüten noch drei weitere, seltenere Spechtarten im deutschsprachigen Raum, von denen Verwechslungsgefahren mit dem Gefieder des Buntspechts ausgehen - der Blutspecht, der Dreizehenspecht und der Weißrückenspecht (der Blutspecht vereinzelt in Süddeutschland und Östereich, der Weißrückenspecht nur in hochalpinen Gebieten). Das Steuer läuft spitz zu, die S1 ist somit immer längste Steuerfeder (in besonderen Fällen sind S1 und S2 gleich lang). Die äußeren Steuerfedern zeige eine weiße, meist vergilbte, Spitze mit recht regelmäßigen schwarzen Bändern, Flecken bzw. Streifen. Die S6 ist wie bei den meisten Spechten stark verkleinert und erreicht nur ca. 1/3 bis 1/2 der Länge der S5.

Verkürzte Handschwingen im Nestlingskleid

Die meisten Spechtarten leisten sich einen "Nestlingssatz" an Handschwingen, welcher sich aber bereits vor dem Ausflug aus der Bruthöle beginnt zu vermausern. Die Handschwingen im Nestlingskleid sind meist blasser, bräunlicher und auch weicher als die folgenden Handschwingen des Adultkleids und auch als die bereits in der Bruthöle angelegten Armschwingen. Diese Handschwingen sind auch deutlich kürzer als die nachfolgend wachsenden Handschwingen und werden proximal immer kürzer. Die H1 des Nestlingskleids ist kaum länger als die darüber liegende GrHd. Es gibt verschiedene Theorien für diesen zusätzlichen Satz Handschwingen, welcher bis zum Winter durch einen neuen vollständig ausgetauscht wird. Es muss sich jedoch in einer gewissen Art und Weise um eine Sparmaßnahme der Natur handeln, da die Federn minderwertiger als die nachfolgenden Handschwingen ausgebildet werden. Möglicherweise weil die Handschwingen im Nest schneller abbrechen und so ohnehin gewechselt werden müssten. Die Armschwingen, welche der Nestling ausbildet werden erst im 2. Kalenderjahr gemausert. Jungvögel im 1. KJ sind somit immer eindeutig zu erkennen, da die Armschwingen deutlich schwärzer, stabiler und größer gegenüber den Handschwingen sind und weil sich in den Handschwingen eine Mauserlücke fehlt. Juvenilen Totfunden oder Rupfungen fehlen meist immer die innersten Handschwingen, da diese bereits in der Bruthöhle ausfallen. Ein gerade ausgeflogener Buntspecht besitzt oft schon eine vermauserte oder sich im Wachstum befindliche H1/H2.

Feder Nummer längste
Handschwinge 10 pro Flügel 109.0 - 128.5mm n=39
H6 (72%) H5 (3%) H7 (26%)
Armschwinge 10-11 pro Flügel 84.0 - 98.5mm n=41
A1 (95%) A2 (5%)
Steuerfeder 12
85.0 - 106.5mm n=34
S1 (97%) S3 (3%)
Anmerkungen zu Vermessungsdaten

Anzahl der Individuen n

Für die Statistik der längsten Federmaße verwenden wir nur die Daten von Vögeln, bei denen die größten Federn vorliegen. Eine abgebrochene, fehlende oder im Wachstum befindliche Feder, welche potentiell die längste sein könnte disqualifiert das Individuum für die Vermessung. Ebenso werden keine Hybriden in die Statistik eingerechnet. Vögel verschiedenen Alters (z.b. junge und adulte Spechte), Geschlechts (z.b. männlicher und weiblicher Sperber) und Unterarten werden jedoch gleichermaßen im Diagramm genutzt und können so zu einem sehr großem Variationsbereich führen. Je größer die Anzahl an vermessenen Individuen ist, desto genauer ist die Angabe des Variationsbereichs. Sehr kleine Datensätze von einem oder nur ein paar Vögeln führen nur zu näherungsweisen Ergebnissen

Vermessungsmethode

Die Federn werden digital über den Scan vermessen. Dabei wird eine ventrale Krümmung der Federn für die Vermessung geradegezogen, eine kaudale Krümmung jedoch nicht! Vermessen wird vom Anfang der Spule bis zur größten Ausdehnung der Feder. Dies muss nicht immer zwingend der Kiel sein, sondern können (z.b. bei Ammern Armschwingen) auch die Federstrahlen sein. Besondere Ausprägungen wie z.b. die Wachsplättchen beim Seidenschwanz werden in der Vermessung ausgelassen.

Prozentangaben

Die Prozentangaben der einzelnen Federn wie z.b. H5 besagen wie groß der Anteil unter den Individuen ist, bei denen diese Feder die längste ihrer Art ist. Diese Angabe sollte immer in Verbindung mit der Gesamtanzahl der vermessenen Vögel betrachtet werden. Eine Angabe von 100% bei fünf Individuen ist keine Garantie dafür, dass diese Feder wirklich immer die längste ist.

2. KJ Männchen
ad.
ad. Männchen
ad. Männchen
ad.
juv.
1. KJ
Beleggalerie

Länderzuweisungen

Spechtvögel

Merkmale

Der Buntspecht (Dendrocopos major) erreicht eine Körperlänge von 20 bis 26cm. Das Gewicht variiert je nach Unterart etwas: die Nominatform wiegt beispielsweise zwischen 70 und 98 Gramm, die Unterart pinetorum 68 bis 93 Gramm und cabanisi 66 bis 98 Gramm. Die Flügelspannweite beträgt 38 bis 44cm.
Das überwiegend kontrastreich schwarz-weiß gefärbte Gefieder von Dendrocopos major ist typisch für die Gattung der Buntspechte (Dendrocopos). Der Rücken ist schwarz gefärbt, mit großen weißen Schulterflächen. Die Handschwingen sind weiß gebändert. Brust, Bauch und Flanken sind gelblich-weiß, an den Flanken ist eine undeutliche Längsstrichelung erkennbar. Das Steuer ist überwiegend schwarz, die äußeren Steuerfedern weisen eine weiße Zeichnung auf. Steiß und Unterschwanzdecken sind intensiv rot gefärbt.
Der Kopf des Buntspechts ist ebenfalls schwarz weiß, wobei die Stirn, Wangen und seitliche Halspartien weiß sind - begrenzt werden diese weißen Felder durch ein schwarzes Zügelband sowie einem schwarzen Bartstreif. Die Kopfplatte ist ebenfalls schwarz, darunter befindet sich bei den Männchen ein deutlich rotes Nackenabzeichen, bei Weibchen fehlt dieser Fleck, das schwarze Gefieder setzt sich vom Kopf bis zum Rücken fort. Die Augen des Buntspechts sind schwarz, der spitze Schnabel weist eine hellgraue Färbung auf. Beide Geschlechter weisen im Jugendkleid eine rote Kopfplatte auf.

Unterscheidung zwischen Blut- und Buntspecht:

Beide Arten sind sich sehr ähnlich, können bei guten Sichtbedingungen aber anhand von einigen Merkmalen sicher unterschieden werden.
Am deutlichsten unterschieden sich beide Arten in der Gesichtszeichnung. Der weiße Wangenfleck des Buntspechts wird vom Zügelband, das bis zum Nacken reicht, eingerahmt. Beim Blutspecht ist dieser Zügel offen, sodass Wangen- und Halsfleck miteinander verbunden sind und der Kopf des Vogels dadurch insgesamt weißer erscheint.
Der rote Nackenfleck des männlichen Buntspechts, sowie der weiße Stirnfleck sind kleiner als beim Blutspecht. Betrachtet man das Rückengefieder der Vögel, fällt beim Buntspecht eine Kreuzzeichnung auf, die sich aus dem Nackenband und der einmündenden Zügel zusammensetzt, beim Blutspecht sieht man lediglich das schwarze Nackenband.
Im Flug kann man die Arten auch anhand der Steuerfedern unterscheiden. Die äußeren Steuerfedern von Dendrocopos major sind überwiegend weiß, hingegen die äußeren Steuerfedern von Dendrocopos syriacus überwiegend schwarz mit nur kleinen weißen Abzeichen sind. Die Rotfärbung des Steißes und der Unterschwanzdecken ist beim Buntspecht intensiver, beim Blutspecht weisen die Federn einen blass- bis rosaroten Farbton auf.

Die Lautäußerungen des Buntspechtes und seiner Schwesternart - dem Blutspecht -, sind sich sehr ähnlich. Der häufigste Ruf beider Arten ist ein einzelnes, kurz hintereinander ertönendes „kjüg“, püg“ oder „dschik". Beim Buntspecht ist dieser Laut hart und metallisch, beim Blutspecht weicher und quietschender.
Zur Revierabgrenzung und zum Anlocken von Weibchen dient das so genannte Trommeln, dabei wird in einer kurzen Abfolge von 10 bis 15 Schnabelschlägen ein weit reichender Ton erzeugt. Als Resonanzkörper dienen hohle Baumstämme, tote Äste, zum Leidwesen einiger Hausbewohner auch Hauswände, und ähnliche Strukturen.
Dendrocopos major verfügt über eine Reihe weiterer Rufe, z.B. ein kurzes, hartes „kick“ oder „kix“.

Habitat & Biologie

Der Buntspecht besiedelt eine Vielzahl von Habitaten und ist damit die am wenigsten spezialisierte, heimische Spechtart. Die Art brütet in Laub- und Nadelwäldern, besiedelt aber auch Kulturlandschaften sofern diese Baumgruppen oder Alleen aufweisen, was z.B. in Parks und auf Friedhöfen der Fall ist. Eichen- und Buchenmischwälder mit viel Totholz werden in hoher Dichte besiedelt, hingegen Monokulturen wie reine Fichtenbestände nur ein geringes Potenzial zur Besiedlung aufweisen. Vereinzelt brüten Buntspechte auch in straßenbegleitenden Allen, Gärten mit alten Einzelbäumen und anderen, urbanen Arealen. Besonders attraktiv sind für D. major Mischwaldbereiche mit genügend Tot- und Altholzanteil.

Dendrocopos major ernährt sich überwiegend von tierischer Nahrung, den Hauptanteil bilden verschiedene Insektenarten und deren Entwicklungsstadien, die überwiegend in morschem Holz oder unter der Baumrinde vorkommen.
In den Wintermonaten stellt der Buntspecht seine Nahrung um und ernährt sich zu großen Teilen von Nüssen, Beeren und Samen. Zur Öffnung werden Spalten in Bäumen oder Gemäuern genutzt, die so genannten „Schmieden“, in die der Buntspecht die Nahrung einklemmt und dann öffnet. Im Frühjahr werden ergänzend Baumsäfte aufgenommen.
Die Art tritt auch als Nesträuber auf und ist in der Lage z.B. Meisen- und Kleinspechthöhlen zu öffnen um an die Eier oder Nestlinge zu gelangen.

Die Geschlechtsreife tritt beim Buntspecht am Ende des ersten Lebensjahres ein.
Die Brutzeit beginnt im Tiefland Mitte März, in höher gelegenen Arealen etwa einen Monat später. Das Brutpaar nutzt jedes Jahr neue Nisthöhlen, die 20 bis 50 Zentimeter tief in Stämme oder starke Äste geschlagen werden. Sie befinden sich je nach Areal in den verschiedensten Baumarten, bevorzugt jedoch in Weichholzarten oder in morschen Bäumen.
Die Art begeht in der Regel eine Jahresbrut. Es werden 5 bis 7 Eier gelegt, die nach nur 10 bis 12 Tagen schlüpfen. Beide Elterntiere füttern die Nestlinge 20 bis 23 Tage, ehe sie die Nisthöhle verlassen. Nach dem Verlassen der Nisthöhle werden die Jungvögel noch mindestens 8 weitere Tage von den Eltern versorgt.

Buntspechte sind ortstreue Standvögel und verbleiben selbst in harten Wintern im Brutgebiet. Nur nördliche Populationen sind gelegentlich auch Strichvögel.

Verbreitung

Laut IUCN kommt der Buntspecht als Brutvogel in folgenden Ländern vor:
Albanien; Algerien; Andorra; Armenien; Aserbaidschan; Belgien; Bosnien und Herzegowina; Bulgarien; China; Dänemark; Deutschland; Estland; Finnland; Frankreich; Georgien; Griechenland; Großbritannien; Indien; Iran, Italien; Japan; Kasachstan; Kroatien; Korea; Kirgistan; Laos; Lettland; Liechtenstein; Litauen; Luxemburg; Mazedonien; Moldawien; Mongolei; Montenegro; Marokko; Myanmar; Niederlande; Norwegen; Österreich; Polen; Portugal; Rumänien; Russland; Serbien; Slowakai; Slowenien; Spanien; Schweden; Schweiz; Tschechien; Tunesien; Türkei; Ukraine; Ungarn; Vietnam; Weißrussland

Der Buntspecht wird in 14 Unterarten mit folgender Verbreitung unterteilt:

  • Dendrocopos m. major: Nominatform; Skandinavien, West-Sibirien bis zum Ural, Norden Polens und der Ukraine.
  • Dendrocopos m. pinetorum: Großbritannien, Frankreich, Mitteleuropa bis Italien, Balkanstaaten, Türkei und Kaukasusgebiete.
  • Dendrocopos m. hispanus: Iberiche Halbinsel.
  • Dendrocopos m. harterti: Sardinien und Korsika.
  • Dendrocopos m. poelzami: Südkaukasus, Süden der kaspischen Region.
  • Dendrocopos m. kamtschaticus: Kamtschatka, nördliche Küste des Ochotskischen Meeres.
  • Dendrocopos m. stresemanni: West-China bis Myanmar, Südosten Tibets und Nordost-Indien.
  • Dendrocopos m. cabanisi: Süden der Mandschurei bis Südosten Chinas, östliches Myanmar und Indochina, Provinz Hainan.
  • Dendrocopos m. japonicus: Östliche Mandschurei, Sacchalin, Kurillen, Korea und Nord-Japan.
  • Dendrocopos m. brevirostris: West-Sibirien bis zum Amur Fluss, Mandschurei und Mongolei.
  • Dendrocopos m. numidus: Nord-Algerien und Tunesien.
  • Dendrocopos m. mauritanus: Marokko.
  • Dendrocopos m. canariensis: Teneriffa (Kanarische Inseln)
  • Dendrocopos m. thanneri: Gran Canaria (Kanarische Inseln)

Bestand Deutschland:
Der Bestand wird auf 450.000 bis 830.000 Brutpaare geschätzt. Der Aktionsraum eines Brutpaares kann bis zu 60 Hektar umfassen.

D. major hybridisiert in den Überschneidungszonen recht häufig mit D. syriacuss, weswegen in diesen Fällen Merkmale beider Arten vorhanden sind. Anscheinend sind diese Hybridisierungen gar nicht so selten.

Bemerkungen

Der Buntspecht wurde 1997 zum Vogel des Jahres gekürt. Die Art gilt zwar nach IUCN als least concern (nicht bedroht), aber langfristig ist die Art aufgrund der Zerstörung naturnaher Wälder in seinen jetzigen Bestandszahlen gefährdet.
Der Buntspecht soll auf den Erhalt und die Entwicklung naturnaher Wälder aufmerksam machen. Naturschutzverbände fordern, dass in der Waldnutzung keine Kahlschläge stattfinden, den Verzicht auf Gift und Chemie, Naturverjüngung statt Anpflanzungen und den Einsatz sanfter Betriebstechniken.

Schutzstatus

  • WA
    nicht gelistet
  • Verordnung (EG) Nr. 865/2006
    nicht gelistet
  • Bundesnaturschutzgesetz §44
    besonders geschützt